es kann passieren, dass ich zu karim nach
st. georg fahre, durch seine kleine strasse rausche und mich regelrecht erschrecke, wenn tatsächlich ein parkplatz frei ist. so geschehen gestern abend. blitzschnell stand ich auf der bremse. zum blinken kam ich in den sekundenbruchteilen selbstverständlich nicht und in den rückspiegel sah ich erst um zu sehen, ob ich gefahrlos zum einparken zurücksetzen konnte.
ein silbergrauer sportwagen versperrte mir den weg nach hinten so dicht, dass kein blatt papier zwischen die beiden autos gepasst hätte. der fahrer sah gut aus, zu seiner besseren ausleuchtung hatte er sogar die innenbeleuchtung angeschaltet. es schien allerdings, dass er ungehalten den kopf schüttelte und wohl auf mich böse war.
er stieg aus und ging auf mein auto zu. ich öffnete die tür, stieg nicht aus und hörte mir an, dass er fast aufgefahren sei und ich musste mir seine frage gefallen lassen wie ich dazu käme, ohne zu blinken aus heiterem himmel zu bremsen. sein vortrag war nicht ungehalten oder zickig, nein, er schimpfte zivilisiert und eigenartig gelassen. komisch. mit den worten "dumme kuh" schloss er seine vorhaltungen.
mit einer so zahm vorgetragenen beschimpfung kann ich leben und "dumme kuh" - naja, es gibt schlimmeres
und irgendwie hatte er vielleicht mit seiner beschwerde ja ein klein bisschen recht.
"pech. wir sind hier nicht auf dem dorf, sondern in der grossstadt. hier passiert was! da muss man ständig mit allem rechnen. auch damit, dass der vordermann bremst. abstandhalten soll dagegen helfen, baby. schon mal davon gehört?", rohrspatzte ich.
das "baby" musste sein, retour für die kuh. er stieg in sein auto, rauschte an mir vorbei und stellte den wagen verbotenerweise auf den gehweg ab. um zu karims wohnung zu kommen, blieb mir kein anderer weg als der direkt an ihm vorbei. mit lange geübtem aufrechtem "körpermuster", nämlich mit stolzer brust, langem hals, kinn zum kehlkopf und entenpo stolzierte ich riesenhaft verstärkt durch stiefel mit hohen absätzen (die habe ich mir extra gekauft, damit ich mit freundin silke auf augenhöhe reden kann) auf ihn zu. er schloss die haustür auf und fragte leise
"na, keine entschuldigung?"
ich zuckte mit den achseln und stiefelte ohne ihn anzusehen weiter.
als er im haus verschwunden war, versuchte ich das kleine fremdländische kennzeichen seines autos zu entziffern. keine ahnung, nie gesehen und im dunkeln nicht lesbar.
"karim, kennst du einen hübschen mann mit einem porsche mit komischem kennzeichen?"
"du meinst den aus monaco?"
"wie?! monaco?!", schluckte ich, "kein wunder, dass der sich hier nicht zurechtfindet. das ist ja auch nur so'n dorf. da wird maximal während der formel 1 schnell gefahren. pah!", fügte ich grummelnd hinzu.
ich gebe es zu: im stillen dachte ich mir "mist". hätte ich das gewusst. ein freundlicher junger hübscher mann aus monaco und ich bin so frech zu ihm.
im gedanken sass ich am steuer des schicken wagens und liess mir lauen monegassischen wind um die nase wehen, um anschliessend im casino vorzufahren und beim roulette ein paar tausend euro auf den kopf zu hauen.
ich dumme kuh.