berlin in der nacht von mittwoch auf donnerstag um ein uhr morgens. glogauer strasse. bsc geht zum ersten mal todesmutig und mutterseelenallein in den ur-kitkatclub.
"du hast sowieso zu viel an," maulte die türsteherin schlechtgelaunt, als ich auf knien um ihre gnädige erlaubnis bat, doch wenigstens meine lederjacke mit in den club nehmen zu dürfen, damit ich darin geld, zigaretten, feuerzeug und lippenstift unterbringen konnte. "so kommst du nämlich hier nicht rein!" ranzte sie.
"na gut," murmelt ich kleinlaut, gab die jacke ab, zog meinen reissverschluss bis zum bauchnabel runter und hielt geld, zigaretten, feuerzeug und lippenstift verkrampft in meinen händen. wohin damit, wenn man in extrem leichter garderobe in solchen läden nur ungern mit handtäschen erwischt wird?
"wo kaufst du deine reitgerten?", fragte ich neugierig den spindeldürren, grauhaarigen, splitternackten mann, der am tresen neben mir stand. um seinen hals trug er als einziges kleidungsstück eine dicke, silberne gliederkette, die sich am bauch vorbei um sein schlaffes unterleibsanhängsel und durch die ritze am hintern über den rücken wieder zurück zum hals schlang. sein wechselgeld schmiss er in seine zonen-stofftragetasche, die auf dem fussboden stand. aus der tüte ragte das ende einer reitgerte. "im sm-shop oder lieber im reitzubehörgeschäft?".
"im reiterladen, die sind da billiger und viel besser."
"aha", meinte ich. "und was hast du noch in deiner tollen tüte?" ich war neidisch auf die tüte und schwor mir, beim nächsten mal auch so eine mitzunehmen. hinzu kommt, dass ich immer unanständig neugierig bin.
"ein lederfutteral, damit kann man mir die arme auf dem rücken festbinden", er bückte sich und zog stolz das ding hervor. "magst du mir das anmachen?" fragte er.
ich lehnte ab, schliesslich war ich nicht zur bastelstunde dort und ausserdem wollte keinen engen kontakt zu diesem nackten männchen.
"würdest du mich dann vielleicht mit diesem seil" - er bückte sich wieder und zog ein seil aus seiner wundertasche - "da an den pfeiler fesseln".
das konnte ich ihm nicht auch noch abschlagen, immerhin sind freundlichkeit und gütigkeit meine herausragenden tugenden. ich fesselte ihn am pfeiler und vergass ihn sofort, weil ein wunderhübscher mann (mit sicherheit schwul) mich zum dritten mal innerhalb einer halben stunde mit einem zuckersüssen lächeln um feuer bat und gleichzeitig ein anderer mann mich fragte, ob ich mit ihm spielen wolle. "nein," lehnte ich ab, denn ich fand den vermeintlich schwulen mann viel interessanter. der fing wiederum an, erstaunlicherweise mit mir zu flirten. doch nicht schwul? oder vielleicht bi? man weiss ja nie.
kaum war er zigaretten holen, tippte mir der nächste typ auf die schulter. "wir kennen uns doch aus hart-zart-klub!", grinste er mich an. "da war ich nie, ich geh nicht sm-mässig weg!" protestierte ich. "ich hätte schwören können, dass ich dich da gesehen habe. ich stehe auf ns - du auch?" er drückte sich dichter an mich ran.
"n was?! ns?! ich!? sorry, nein." stammelte ich verlegen. der typ grinste wieder. "macht ja nichts" und ging weiter.
"hey, baby." sprach der nächste. du meine güte, nicht eine minute ruhe, dachte ich. "dein freund da drüben am pfeiler guckt schon ganz verzweifelt. vielleicht solltest du ihn mal wieder losbinden."
mit vorwurfsvoller leidensmiene sah mich der gliederkettenmann an. komisch, ich dachte immer, solche männer lieben es, wenn man sie komplett ignoriert. so stand es jedenfalls im "handbuch für sm", das ich freundlicherweise aus dem englischen ins deutsche für eine sehr dunkle urlaubsbekannschaft aus frankenbayern übersetzte (irgendwie sei dort unten in süddeutschland ein sm-nest, das erzählte man mir jedenfalls zu meiner sm-studie damals).
zurück zum kettenmännchen. bevor er sich die handgelenke aus verzweiflung blutig scheuerte, knüpfte ich ihn los und entsprach seiner flehentlichen bitte, ihn bittesehr am andreaskreuz festzuzurren.
minidominatrix im
kitkat konnte anstrengend sein. ich hätte geld nehmen sollen.